Kulturprogramm

Norwegen ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und bringt – neben dem Literaturprogramm – ein umfangreiches Kulturprogramm nach Deutschland.

Edvard Munch: Solen, 1912-13, Munchmuseet, Oslo

Norwegen als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse 2019

In Deutschland sehen viele Menschen Norwegen als eine Art Traumland, das von der „glücklichsten Nation der Welt" bewohnt wird und über eine beeindruckende Naturschönheit verfügt. Im Rahmen unseres Ehrengastauftrittes träumen wir davon, es den Menschen zu ermöglichen, unser Land auch aus anderen Blickwinkeln wahrzunehmen. Deswegen wollen wir die Vielfalt und Diversität der norwegischen Literatur, Kultur und Sprache sowie viele, auch kritische Aspekte der norwegischen Geschichte und Gesellschaft zeigen.

Wir möchten diesen Traum auf der wichtigsten Buchmesse der Welt und an vielen Orten der Kunst mit Menschen teilen, denen Literatur und Kultur am Herzen liegen, ganz im Sinne unseres Mottos „Der Traum ins uns“, das wir dem Gedicht „Das ist der Traum“ von Olav H. Hauge entliehen haben. Diesen Traum zu teilen bedeutet, Geschichten aus Norwegen zu erzählen, die Leselust anzuregen und die Freiheit der Meinungsäußerung zu zelebrieren – das alles in einem aufgefächerten Literatur- und Kulturprogramm.

Mit unserem Kulturprogramm möchten wir überraschen, inspirieren, zur Teilnahme einladen. Dank vieler deutscher Institutionen, in Frankfurt und in anderen Städten, und dank engagierter norwegischer Partner können die norwegischen Künstler(innen) ihre Träume, ihre Geschichten und Werke mit dem deutschen Publikum teilen.

Erwarten Sie ein vielfältiges Programm aller Kunstgattungen – von Musik über die bildende Kunst und Performance bis hin zu Theater und Film und vielem anderen.

Die Literatur und die Künste sind die Formen, in denen eine Gesellschaft träumt. Wir laden Sie ein, mit uns zu träumen und zu reisen, und zwar – um Olav H. Hauge zu zitieren – „in eine Bucht, um die wir nicht wußten”.

Ausschnitt aus dem aktuellen Kulturprogramm im Sommer und Herbst 2019:

"House of Norway" im Museum Angewandte Kunst (MAK) 11. Oktober 2019 - 26. Januar 2020

Als House of Norway versammelt das Museum herausragende Positionen aus Norwegens Kunst und Kultur, Design, Handwerk und Architektur, die für eine kreative Auseinandersetzung mit einer Welt im Wandel stehen. Zu der facettenreichen Schau gehören noch nie öffentlich gezeigte grafische Werke von Edvard Munch und ein Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš. Vertreten sind auch zeitgenössische Künstler(innen) wie Ingrid Torvund, Kari Steihaug, Britta Marakatt-Labba, Máret Ánne Sara oder Jorn Are Keskitalo sowie norwegische Gestalter(innen) wie Tone Vigeland, Regine Juhls, Grete Prytz und Peter Opsvik. Das House of Norway versammelt zudem wichtige Beispiele aus der norwegischen Architektur, etwa von Sverre Fehn oder Joar Nango, und präsentiert aktuelle Impulse aus Mode und neuer nordischer Küche.

Ingrid Torvund, Filmstill aus i found you under the earth, under blood, 2017 © Foto: Jonas Mailand

"Hannah Ryggen" in der Schirn Kunsthalle Frankfurt (26. September 2019 – 12. Januar 2020)

Von einem kleinen autarken Bauernhof an der Westküste Norwegens aus schuf die Künstlerin Hannah Ryggen (1894–1970) mit ihren monumentalen Wandteppichen ein eindrucksvolles, politisch inspiriertes Werk. Sie lancierte bildliche Angriffe auf Hitler, Franco und Mussolini und setzte sich damit deutlich vernehmbar für die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus ein. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert eine große Einzelausstellung, die dem Publikum in Deutschland erstmals einen umfassenden Einblick in das OEuvre der schwedisch-norwegischen Künstlerin gewährt. In den rund 25 gezeigten Tapisserien greift Ryggen grundlegende Themen des Lebens in unserer Gesellschaft auf: die Gräueltaten des Krieges, Machtmissbrauch, das Angewiesensein auf die Natur und die Verbindung zu Familie und Mitmenschen. Die Ausstellung stellt Ryggen auch als Vertreterin einer anderen Art von Moderne vor. Dabei erkundete sie ein ganz neues Spektrum von Motiven und verwendete ein traditionelles Medium für ein neuartiges Ziel: der Öffentlichkeit mit Wandteppichen, die von Ort zu Ort bewegt werden konnten, ihre starken politischen Botschaften mitzuteilen. In einer Gegenwart, die von zunehmender Ungleichheit, Nationalismus und „mächtigen Männern“ in der Politik geprägt ist, haben Ryggens Werke eine verblüffende Aktualität und führen die Notwendigkeit vor Augen, für die Prinzipien des Humanismus einzustehen.

Hannah Ryggen, 6. Oktober 1942, 1943, Wandteppich in Wolle und Leinen, 170 x 420 cm, Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum, Trondheim, © H. Ryggen/ VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Ute Freia Beer/ Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum, Trondheim

"Edvard Munch gesehen von Karl Ove Knausgård" in der Kunstsammlung NRW (12. Oktober 2019 – 1. März 2020)

Er gilt als der bekannteste und wichtigste norwegische Autor der Gegenwart: Karl Ove Knausgård. Sein sechsbändiger autobiografischer Roman MIN KAMP zählt weltweit zu den meist diskutierten Buchveröffentlichungen der vergangenen Jahre. Nun hat sich der Schriftsteller dem Werk des Malers Edvard Munch genähert. Mit seiner überraschenden Auswahl selten oder sogar nie gezeigter Werke entdeckt der gefeierte Autor einen bislang „unbekannten“ Munch. Die Ausstellung findet in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen parallel zur Frankfurter Buchmesse statt, die 2019 Norwegen als Gastland vorstellt. Der auch in Kunstgeschichte ausgebildete Schriftsteller hat etwa 130 Gemälde, Arbeiten auf Papier und Skulpturen aus dem Archiv und dem Kunstdepot des Munch-Museums in Oslo ausgewählt und mit Leihgaben aus internationalenmMuseen ergänzt. Er öffnet damit eine nie zuvor gesehene Perspektive auf den wohl bedeutendsten Maler der skandinavischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts.

Edvard Munch, Under the Stars, 1900-05, Öl auf Leinwand, 90 x 120 cm, Munchmuseet, Oslo. Foto: © Kunstsammlung NRW

"Mittsommernacht – Harald Sohlberg: Ein norwegischer Landschaftsmaler" im Museum Wiesbaden (12. Juli – 27. Oktober 2019).

Das Museum Wiesbaden zeigt in enger Kooperation mit dem Nationalmuseum Oslo die erste Retrospektive von Harald Sohlberg (1869–1935) auf dem europäischen Festland. Sohlberg, der ein Zeitgenosse und Freund Edvard Munchs (1863–1944) war, hat mit seinem Hauptwerk Winternacht in Rondane ein Bild geschaffen, das die „Seele“ der Norweger noch heute im Kern berührt. Es wurde von den Bürger(inne)n in den 1990er-Jahren zum beliebtesten Gemälde des Landes gewählt. Diese Ikone der norwegischen Kunst, die seit der Erwerbung durch das Nationalmuseum im Jahr 1918 noch nie ausgeliehen war, in Wiesbaden zu präsentieren, ist außergewöhnlich.

Harald Sohlberg, Winternacht in Rondane, 1914 Öl auf Leinwand 160 x 180,5 cm Nasjonalmuseet, Oslo © Nasjonalmuseet / Børre Høstland, Jacques Lathion

"Frida Orupabo" im Portikus in Frankfurt (21. September – 17. November 2019)

Im Rahmen des Ehrengastprogramms der Frankfurter Buchmesse 2019 präsentiert der Portikus die erste Einzelausstellung von Frida Orupabo in Deutschland. Frida Orupabo ist eine norwegisch-nigerianische Künstlerin und Soziologin, die in Oslo lebt und arbeitet. Ihre künstlerische Praxis entwickelte sich aus einer Sammlung von öffentlichen Medienbildern und privaten Fotografien auf Instagram (@nemiepeba), aus denen sie digitale Collagen sowie kurze Filmcollagen generiert. Ihr Archiv, das in ihren surrealen Collagen potenziert wird, entwirft ein Bild vorgeformter Darstellungen von Ethnie, Gender, Sexualität, Gewalt sowie familiärer Privatheit, Autobiografie und Öffentlichkeit. Für den Portikus wird Frida Orupabo eine neue, ortsspezifische multimediale Installation aus Collagen und Filmen entwickeln.

Frida Orupabo, Untitled, 2019, Collage mit Reißbrettstiften befestigt auf Aluminium, 66 x 57,8 cm; Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und Gavin Brown’s Enterprise, New York.

"NORSK - Norwegian Music (and Literature) Festival" im Künstlerhaus Mosounturm 15. Oktober - 19. Oktober 2019)

Das NORSK Festival zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse stellt in Form von Konzerten aus unterschiedlichen Genres, Performances, Lesungen und Talks verschiedenste Facetten der Musikszene Norwegens vor. Neben vielen anderen Künstlern treten Arve Henriksen, Todd Terje, Motorpsycho und Ketil Bjørnstad auf, aber auch Performances wie „Practice of Love“ von Jenny Hval, Lesungen und Interviews von Schriftstellern und Musikern sind zu erleben. Jeder Tag widmet sich einem musikalischen Genre/einer musikalischen Richtung. Am 15. Oktober ist es die Rockmusik, am 16. Oktober liegt der Fokus auf der experimentellen Musikszene Norwegens und der 17. Oktober gehört der elektronischen Musik. Hervorragende Jazzmusik, für die Norwegen bekannt ist, steht am 18. Oktober im Mittelpunkt. Am 19. Oktober ist es die Folkmusik.

Motorpsycho, Foto: Geir Mogen

Diese und viele weitere Veranstaltungen und Ausstellungen in ganz Deutschland finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.